Parkin-Songs

Musik ist Bewegung. Bewegung ist Leben.

Es gibt viele Betroffene, die Singen für sich entdeckt haben. Oder schon immer gerne gesungen haben. Zuhause allein. In einer Gruppe.

Weil es ihnen Spaß macht. Weil es ihnen gut tut. Und vielleicht, weil es Pilotstudien zufolge einige Symptome lindern soll, die mit der Erkrankung einhergehen: Stimmstärke und -artikulation und depressive Verstimmungen. Menschen, die sich nur sehr schwer artikulieren können, können jedoch fehlerfrei und ohne Aussetzer singen.

Zu Beginn meiner Erkrankung traf ich einen Mann mittleren Alters, bei dem die Erkrankung schon sehr weit fortgeschritten war. Und er sang wunderschöne Mantras.

Und dann gibt es Betroffene, die sich auf die Bühne stellen.

Zum Beispiel singt Gunnar Sahr auf der Karaoke Plattform Smule. Er schreibt spannende neue Texte zu bekannten Liedern. Und hat eine sehr schöne Stimme. Du findest ihn unter Parkinso73.

https://www.smule.com/Parkinson73

Gerald Ganglbauer stellte sich schon mehrfach zusammen mit ProfimusikerInnen auf die Bühne, um Geld für die Parkinsonforschung zu sammeln.

Zuletzt im Februar 2021 im Lässerhof in Stattegg. Das schon 2020 geplante Konzert musst auf Grund Corona verschoben werden. Ein zweites Mal sollte das Virus das Konzert nicht verhindern. Das Konzert fand statt, war ein Riesenerfolg und hat „ein starkes Signal gesetzt, dass sich Musik auch in schwierigen Zeiten nicht unterjochen lässt.“ (www.parkinsong.org)

Begonnen hatte alles einige Jahre davor. Gerald Ganglbauer hatte 2016 am 4. Weltparkinsonkongress in Portland die Idee, dass Rockstars mit Betroffenen gemeinsam Duette singen. Der Welt sollte gezeigt werden, wozu Menschen mit Parkinson in der Lage sind. Von der Idee zur Umsetzung war es ein langer, holpriger Weg. Und dann erschien 2019 Volume 1 der „Parkinsong Duets“. Ein qualitativ und musikalisch hochwertiges Album, abwechslungsreich und sehr berührend.

Auf der Website von Sven Trautner Trauntner https://www.parkinson-na-und.info/ habe ich neben vielen sonstigen Informationen unter dem Titel „Mutmach-Songs“ auch das Lied „Blame it on the Parkinsons“ von Mitch Faile entdeckt.

Mitch Faile ist einige Jahre nach der Diagnose mit diesem Lied an die breite Öffentlichkeit gegangen – und es half ihm und seinem Umfeld mit der Erkrankung mit einer Prise Humor umzugehen: „Als ich das Lied aufgenommen habe, wurde es zu meinem Bewältigungsmechanismus; eine persönliche Hymne, die bei Familie und Freunden ein Lachen oder Lächeln hervorrief, als wir uns zu Hause mit den Symptomen befassten“, sagte er. „Wenn ich von einer Wand abprallte, ein Glas zerbrach, Essen auf den Boden fallen ließ, etwas vergaß oder einfach ausrutschte und ein Nickerchen machte, schüttelten alle scherzhaft den Kopf und sagten: ‚Die Parkinson-Krankheit ist die Schuld!(“https://clemson.world/blame-it-on-the-parkinsons-mitch-faile-89/)

Auch für mich ist dieses Lied ein richtiges Gute-Laune-Lied, das auf jeden Fall auf meine Playlist „Leichtigkeit und Humor“ kommen wird…

Jetzt erst recht!

Im ersten Jahr nach der Diagnose habe ich viel Zeit darin verwendet mich mit Betroffenen zu vernetzen. Ich habe regelmäßig am Blog geschrieben und immer wieder versucht, ihn unter die Leute zu bringen. Ich habe dadurch eine Handvoll wirklich spannender Leute kennen gelernt. Leider sind viele davon wieder in der Versenkung verschwunden – letzte Nachricht oft: „Es geht mir grad nicht so gut, ich melde mich wieder…“

Im zweiten Jahr habe ich die Fotografie entdeckt, ein fotografisches Rätselbuch im Eigenverlag herausgegeben und habe derzeit weitere drei Buchprojekte in Arbeit.

Am Blog habe ich kaum gearbeitet, weil es wenig Resonanz gab. Und weil mir die Zeitresourcen gefehlt haben.

Dazwischen immer wieder Veränderungen meiner Erkrankung und die Suche nach einem Umgang mit der Nebenwirkung der Medikamente. Starke Gewichtsabnahme, dann Zunahme. Getriebenheit und Ruhelosigkeit. Nächtliche Essattacken und unregelmäßiges Essen untertags.

Die Zeit von Corona brachte ein Bewegungsdefizit mit auch. Eine Weile bin ich noch selbst dran geblieben, aber dann wurde es immer schwieriger mich selbst zu motivieren. Das regelmäßige Klettern und QiGong gehen mir wirklich ab.

Vor kurzem bin ich in der Aussendung der Parkinsonselbsthilfe auf Martha Strubinger gestoßen. Eine sehr engagierte Angehörige eines jungen Betroffenen. Ihr letztes Buch habe ich mir gleich bestellt und bin schon gespannt auf die Lektüre. Und was mein Mann dazu sagt.

https://marthastrubinger.at/

In einem Telefonat hat sie mir die Website Jetzt erst recht – Positiv leben mit Parkinson empfohlen. Podcasts von Gesprächen mit Betroffenen und Angehörigen. Was ich dort gefunden habe: Sehr spannende Gespräche mit einer Vielzahl von Anregungen – und Kontaktmöglichkeiten.

Ich habe erfahren, dass eine Betroffenen sechs Tage in der der Woche gemeinsames morgendliches Tanzen über Zoom anbietet – das werde ich sobald als möglich ausprobieren. Ich habe endlich von anderen Betroffenen mit kleinen Kindern gehört und mit diesen Kontakt aufgenommen. Ich habe viele verschiedene Zugänge zum Leben mit Parkinson gehört.

Dies ist nun der Beginn, mich wieder mehr mit der Erkrankung zu beschäftigen. Und ein neuer Anstoß, dem Raum zu geben, was vorbeugend extrem wichtig ist: In Bewegung bleiben.

Und ich werde mich wieder mehr um Vernetzung bemühen. Es kostet Zeit. Es ist manchmal anstrengend und enttäuschend. Und immer fruchtbringend.

Danke Kathrin für diese vielen wunderschönen Geschichten!

Hört rein, es zahlt sich aus!

Kreative Explosion im Kopf

Kreativ war ich schon immer. Im Denken. Kreativ im Denken. Meine Jobs haben es mir immer ermöglicht diese zu einzubringen – Ideen entwickeln und umsetzen. Dafür war ich, wo auch immer, bekannt, geliebt, gefürchtet.

Brennen für eine Sache und verbrennen. Nicht mit 80 % wie es angesagt wäre, sondern mit 1050 %. Auch das ist Teil meiner „ursprünglichen“ Persönlichkeit. Innere Unruhe und Ungeduld.

Dann ausgebrannt im Job und die Diagnose.

Nach einigen Monaten tritt ein Phänomen zutage, das ich nicht kenne. Ich mag nicht mehr ins Bett gehen und beginne in der Nacht zu backen. Oder Cremen selber zu machen. Produziere dies und das selbst. Eigentlich war ich mein Leben lang, sogar als Studentin, Frühaufsteherin und Früh-ins-Bett-Geherin.

Frühjahr 2020: Ich entdecke die Fotografie für mich. Ich mache fotografische Rätselbilder. Zuerst mit der Handykamera für Familie und enge FreundInnen. Dann die Idee ein Buch zu machen. Ich organisiere mir eine uralte Spiegelreflexkamera, baue Installationen und fotografiere was das Zeug hält, lerne mit Fotobearbeitungsprogramm und Grafikprogramm umzugehen. Nächtliche Arbeit am Computer löst nächtliches Backen ab.

Herbst 2020: Mein erstes Buch erscheint im Eigenverlag. Gerade ein halbes Jahr nach meinem ersten Foto mit dem Handy.

Ich entdecke die Fotografie von Blumen aller Art, am liebsten Blumen, die in einem Bild alle „Lebensphasen“ zeigen. Knospe, Blüte, Verblühtes.

Idee nach Idee formiert sich in meinem Kopf. Ein zweiter Band mit Rätselbildern. Fast fertig gestellt. Ein Buch mit Fotos für Menschen mit Demenz. Mitten in der Arbeit daran. Ein Buch mit meinen Blumenfotos kombiniert mit Gesprächen mit Menschen aller Altersgruppen zum Thema Alter und Altern. Und kurz darauf beginne ich mit den Interviews. Das Buch ist zur Hälfte fertig und ich arbeite nun an der Idee die Veröffentlichung über Crowdfunding zu finanzieren. Ich mache ungewöhnliche Fotos von unserem Dorf. Idee für ein Buchprojekt. Ich bin dabei Rauchen aufzuhören. Ein (nicht zur Veröffentlichung gedachtes) Buchprojekt.

In meinem Kopf entsteht eine Idee nach der anderen. Und ich entwickle eine Sucht zu fotografieren. Alltägliches bleibt liegen. Es bleibt immer mehr liegen.

Das war tendenziell immer schon so. Neues interessiert mich mehr als Routine. Jetzt aber ist die Schieflage sehr groß geworden.

Am liebsten würde ich 24 Stunden am Tag meine Ideen umsetzen. Die Beziehung zu meinem Mann leidet darunter, an den Kindern geht meine Getriebenheit auch nicht spurlos vorbei.

Mein Neurologe sagt zu meinem Buch – das sich an sich sehr gut verkauft und sehr positives Feedback erhält: typische Parkinsongetriebenheit. Und er sagt: Ich muss jetzt meinem Alltag Struktur geben. Ganz bewusst. Früh ins Bett gehen, mir Arbeitszeiten geben. Denn die Getriebenheit wird nicht weniger werden. Es wird später nur noch schwieriger mich zu begrenzen. Ja, mache ich.

Nein, mache ich nicht. Fotografieren ist immer und überall. Vor einem Jahr bin ich noch laufen gegangen, bin ich mit Smoveys gegangen. Jetzt ist immer die Kamera dabei.

Ein Bekannter, ebenfalls an Parkinson erkrankt, sagt zu meinen Buchprojekten: Du reihst dich also unter die Reihe der an Parkinson Erkrankten ein, die ein Buch schreiben.

Ein Gespräch mit meinem älteren Sohn macht mir deutlich, dass diese Unruhe, dieses viele Dinge angehen Wollen, das Chaos innen und außen, meinen Kindern zu schaffen macht. Sie auch dieses Chaos verspüren.

Ich halte inne, beginne bewusst zu bemerken, wie viel ich in den Alltagsdingen vergesse, zu spät mache. Wie gehetzt ich bin. Ich versuche immer wieder etwas daran zu ändern. Nach dreimal früh schlafen gehen, sitze ich plötzlich wieder eine, zwei, drei Wochen bis weit in der Früh am Computer. Die Zeit vergeht so schnell. Und die Ideen werden immer mehr.

Und dann, gerade jetzt, wo ich mich so intensiv mit dem Thema beschäftige, stoße ich auf eine Studie, die gerade im Laufen ist.

Das kreative Aufblühen von Personen mit Morbus Parkinson. Eine epidemiologische Studie zur Untersuchung der Kreativität in Personen mit Parkinson.

https://parkinson-noe.at/einladung-zu-einer-epidemiologischen-studie-zur-untersuchung-der-kreativitaet-in-personen-mit-morbus-parkinson/

Über die Qualität der Studie kann ich nichts sagen. Das Wording ist zum Teil jedenfalls nicht sensibel gewählt, wenn nicht sogar unpassend („gesundes und krankes Gehirn“).

Jedenfalls bekommt die Auseinandersetzung mit meiner explodierenden Kreativität eine neue Facette.

Wenn es so wäre, dass Parkinson diese Kreativität verstärkt… Ist diese deswegen weniger „wert“?

Neben all den herausfordernden „Nebenwirkungen“ genieße ich diese neue Form der bildhaften Kreativität. Und ich finde es wichtig adäquate Formen zu finden, damit nach außen zu gehen. Eine Balance zu finden zwischen nur für mich alleine dahinwerkeln und am anderen Ende der Skala andere ständig mit meinen Werken zu „beglücken“.

Spiel und Training in Einem

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Domino – Spiel, Spaß und Training für die Hände in Einem! Domino machts möglich …

Es gibt im Alltag so viele Möglichkeiten die Hände zu trainieren. Ich habe zusammen mit den Kids zum Beispiel das gute alte Domino entdeckt. Macht extrem viel Spaß, schult den Geist – wenn kurz vor Schluss zum zehnten Mal alle Steine umfallen – und ist Training für die Hände. Je nachdem was aufgrund der Erkrankung möglich ist, können auch größere Steine dafür verwendet werden. Als Kinder haben wir riesige Dominolandschaften aus Bausteinen in der Größe von ca. 15 x 5 cm gebaut…

Viel Spaß!

Fotografische Rätsel

Ein Fisch schwimmt durchs Korallenmeer,
die Wiesenblumen leuchten sehr.
Zwischen Gräsern liegen zwei Steine –
auf einem ein Glückskäfer streckt seine Beine.
Sechs Schmetterlinge – und deren halbe Zahl Schnecken mit Haus;
die grüne Ente sucht sich fünf Perlen aus.
Gar zierlich und klein sind die Kapseln des Mohn –
hast du sie gefunden schon?
Und siehst du das Motorrad hinten im Grün?
Es hier abzustellen, ist ganz schön kühn!

Ein Auszug aus dem fotografischen Rätselbuch „aufeinander. nebeneinander. miteinander“, das in Kürze im Eigenverlag erscheinen wird (vgl Blogbeitrag vom 8. Oktober 2020)

Gerade für Menschen mit Parkinson ist dieses Buch eine gute Sache. Lustvolles Gehirntraining kombiniert mit schönen Bildern, die der Seel guttun. Und das Buch macht Lust auf Austausch mit anderen – welche Lösungen sie finden, was sie in den Bildern sehern.

Viel Freude beim Betrachten, Eintauchen und Rätseln!


Rätseln – Entdecken-Eintauchen

Im letzten Beitrag habe ich erwähnt, dass ich begonnen habe, mit meinen Kindern fotografische Suchbilder zu gestalten. Was ist ein halbes Jahr später daraus geworden? Ein Buch – das voraussichtlich nächste Woche in Druck geht!

Aus einer Beschäftigung mit den Kindern ist recht bald eine Leidenschaft geworden, etwas, das ich weiterentwickeln wollte. Die Freude meines Umfeldes an den Bildern motivierte mich weiterzumachen. Und schon bald entstand der Plan, ein Buch herauszugeben. Ich wollte möglichst bald erfahren, ob meine Bilder auch ein breiteres Publikum ansprechen – und wenn ja, welche Personengruppen.

Gesagt getan – ich gestaltete, fotografierte, eignete mir Wissen über Fotobearbeitung und grafische Bearbeitung an. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Freundinnen und Begeisterung über mein Projekt zog ich das Projekt durch. Und nun ist es fertig – und geht nächste Woche in Druck.

aufeinander. nebeneinander. miteinander. ist mehr als ein fotografisches Rätselbuch zum lustvollen Gehirntraining. Es ist Nahrung für die Seele und Gesprächsimpuls. Und für manche auch ein Weg in die Vergangenheit.

Neugierig? Ich auch!

Ich möchte dran bleiben – und vielleicht tut sich mit weiteren fotografischen Projekten dieser und ähnlicher Art ein neues berufliches Standbein auf. Ein Standbein, das ich trotz der Erkrankung gut ausüben kann. Ich kann arbeiten, wenn ich mich stark fühle und pausieren, wenn die Müdigkeit zu groß wird. Und das Schöne daran – diese Art von Arbeit gibt auch viel Kraft!

Corona – wie erlebe ich den shutdown?

Vor kurzem habe ich mit zwei Freundinnen geskyped – spannend war, wie unterschiedlich sich das Kontaktverbot im Zuge von Corona auf unser Leben auswirkt, alle drei leben wir in vollkommen unterschiedlichen Lebenszusammenhängen. Für manche bedeuten diese Lebensumstände Gefühle der Einsamkeit und Angst, für manche großen beruflichen Stress oder Stress durch die Kombination von home-office und home-schooling. Manche genießen die Zeit, die ihnen als Familie gemeinsam geschenkt wird, manche nutzen die Zeit zur Innenschau.

Meine erste Reaktion vor nunmehr fast vier Wochen, als ich von der Schließung von Kindergarten und Schule hörte, war Leugnung und Panik. Das kann nicht sein. Wie werde ich nun genügend Zeit haben für meine Therapien, meine Bewegung und die Ruhe, die ich dringend brauche? Was ist mit meinen beruflichen Plänen – wie soll ich diese weiterverfolgen?

Inzwischen hat sich so gut wie alles in meinem Leben geändert. Ich habe keine Physio- und Ergotherapie mehr, keinen Kletterkurs und keinen Qi Gong-Kurs. Bewegung und Training für die Feinmotorik habe ich dennoch genug. Ich gehe sehr viel laufen und mit den Smovey-Ringen spazieren, mache dank der vom Qi Gong Lehrer erstellten Videos täglich Qi Gong, spiele viel Klavier und habe angefangen, gemeinsam mit den Kindern solche Suchbilder wie oben zu erstellen – etwas, was ich schon seit langem machen wollte. Gut für die Feinmotorik und auch für die Seele. Ich arbeite viel im Garten und koche und backe viel – seit Wochen essen wir als Familie täglich drei Mahlzeiten zusammen, was wir sonst nur am Wochenende und im Urlaub machen. Ich genieße es, frei von Terminen einfach jeden Tag in den Tag hineinzuleben. Mein Verlangen nach Außenkontakt hält sich in Grenzen. Ja, home-schooling ist sehr anstrengend. Gleichzeitig auch ein Geschenk, meinen achtjährigen Sohn einige Wochen intensiv beim Lernen begleiten zu dürfen. Die Kinder spielen so viel zusammen wie noch nie, wachsen zusammen.

Wissend, dass dies alles eine zeitliche Begrenzung hat, genieße ich diese Zeit, versuche auf das zu schauen, was uns als Familie und mir als Person durch diese außerordentlichen Umstände geschenkt wird. Und all das in dem Bewusstsein, dass wir in dieser Zeit in einer privilegierten Situation sind – in Mitteleuropa, am Land in einem Haus mit großem Garten lebend.

Wenn ich aber den Blick vom Privaten nach außen richte, sehe ich: die gesamtgesellschaftlichen Umwälzungen sind enorm.

Die Beschäftigung mit den gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen des „shutdown“ kann Angst machen. Kann aber auch Kraft geben. Kann den Blick wieder schärfen. Ist eigentlich unerlässlich. Aus diesem Grund sind Außenkontakte mit Menschen, die weit und quer denken, extrem wichtig – auch wenn sich, wie oben beschrieben, mein Verlangen nach Außenkontakt größtenteils in Grenzen hält.

In jedem Fall ist dieser „shutdown“ eine Zäsur – für mich individuell und für die gesamte Gesellschaft. Was wir, innen und außen, daraus machen, hängt (nicht nur, aber zu einem großen Teil) von uns ab!

Klettern macht Freude und wirkt!

Klettern mit Parkinson? Klettern als ältere/r Betroffene/r! Es ist möglich, macht Freude und wirkt!

Klettern hebt die Stimmung, wirkt kräftigend, fördert die Beweglichkeit, das Gleichgewicht die Feinmotorik und die Koordination und – für viele ist an der Kletterwand motorisch möglich, was am Boden beim Gehen schon schwer fällt …

In Wien gibt es in der Kletterhalle Wien (1220) und in der Kletterhalle Marswiese (1170) Kletterkurse für Menschen jeden Alters, die an Parkinson erkrankt sind. Professionell und empathisch geleitet vom Initiator Markus Pisecker – wir werden beim Klettern gefordert, aber nicht überfordert, ermutigt und können wunderbare, für Seele und Körper stärkende Erfahrungen machen.

Einstieg in die Kurse ist jederzeit möglich!

Weitere Informationen:

https://www.neuroklettern.at/Leistungen/Klettern-mit-Parkinson,-MS-und-Schlaganfall/

Zeit haben bzw. Zeit nehmen für Bewegung und Entspannung

Bewegung ist wichtig. Das ist uns bewusst. Generell wichtig. Für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, besonders wichtig. Um die Beweglichkeit zu erhalten. Bewegung hebt auch die Stimmung.

Und Entspannung ist wichtig. Generell. Und für Menschen mit Parkinson ganz besonders.

Beides können wir immer und überall lesen, wenn es um Parkinson geht.

Die Frage ist: Wann bleibt dir Zeit für Bewegung? Und für Entspannung? Im hektischen Alltag, von dem alle betroffen sind. Und dazu die Erkrankung. Sie läßt uns schneller erschöpft sein als gesunde Menschen. Woher nach einem anstrengenden Arbeitsalltag also die Kraft für Bewegung nehmen? Erschöpft und mit Schmerzen lege ich mich auch lieber ins Bett als zu meditieren oder andere Entspannungsmethoden anzuwenden – die alle auch irgendwie Überwindung kosten.

Ich habe den Erfahrungsbericht von Holger gelesen. Zum Thema Arbeit schreibt er unter anderem: „(….) Ich bin dann nach meiner Krankschreibungsphase langsam zunächst bis zu vier Stunden täglich wieder in den Beruf eingestiegen und habe dann weiter Teilzeit gearbeitet. (…) Die Arbeit ist für mich sehr wichtig. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, sie wegen der Erkrankung aufzugeben. Im Gegenteil, ich bin viel engagierter als früher. Und die Arbeit macht mir viel Spaß. Am Schreibtisch sind wir alle gleich. Wir machen alle den gleichen Job und das genieße ich. Auch dass ich nur einen halben Tag arbeite, ist mittlerweile wie eine Befreiung für mich, weil es meinem Leistungsvermögen entspricht und mich vor Erschöpfungszuständen bewahrt.“ (https://www.gesundheitsinformation.de/parkinson-krankheit-erfahrungsbericht-holger.2861.de.html)

Ja, Holger hatte Glück. Er hat einen Arbeitgeber, der Verständnis für seine Situation hatte und mit ihm überlegt hat, wie er seinen Arbetsplatz behalten kann. Und er lebt in Deutschland – wo es mehr Möglichkeiten für Teilzeitarbeit chronisch erkrankter Menschen gibt.

Aber Holger hat auch selbst gesehen, dass er was verändern muss. Dass er nicht einfach weitermachen kann wie bisher.

Ich habe viel nachgelesen über das Thema Parkinson und Persönlichkeit. Was immer wieder zu lesen ist, sind die Themen Stress, innere Unruhe und sich unersetzlich fühlen. Gerade letzteres hindert mich vielleicht auch immer wieder daran im Alltag zu reduzieren – der gesundheit Willen. Natürlich gibt es auch Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen arbeiten müssen (!), die kein Netz haben, das sie auffängt, die es sich einfach nicht leisten können, weniger zu arbeiten. Dann gibt es aber auch die Grenzfälle, wo sich die Frage stellt: Wie viel muss ich eigentlich wirklich verdienen für ein gutes Leben?

Oft ginge es auch nur darum, die passende Form der Bewegung und Entspannung zu finden. Bewegung und Entspannung, die dir persönlich Spaß macht. Die du in deinen Alltag integrieren kannst.

Ich hatte ein solches AHA-Erlebnis mit dem Thema Yoga, Meditation, Qigong. Schon lange, lange vor der Diagnose, strebte ich danach, konsequent auch zuhause Yoga zu üben und nicht nur im Kurs, und zuhause zu meditieren. Doch ich finde zuhause dafür nicht die innere Ruhe. Auch die Räumlichkeiten, Kinderspielzeug hier und dort, sind nicht dazu angetan, mir diesen Schritt zu erleichtern. Ich überlegte die letzten Monate hin und her, wo und wie ich mir einen Raum schaffen könnte, der es mir erleichtern würde, Ruhe zu finden, Yoga zu üben, zu meditieren.

Und dann habe ich Guolin Qigong kennen gelernt. Es ist einfach so in mein Leben geschneit. Eine Gehmeditation im Freien. Für mich war gleich klar: Das ist mein Weg. Guolin Qigong ist für mich die Möglichkeit, regelmäßig selbst was für meinen Körper und meinen Geist zu tun. Ich bin gerne im Freien. Ich brauche mir keinen Platz schaffen. Im Gehen kann ich besser abschalten. Und das Beste – ich kann es überall üben. Zwischen zwei Terminen eine Stunde Wartezeit. Goulin QiGong. In der verlängerten Mittagspause. Guolin Qigong. Statt einem Abendspaziergang. Guolin QiGong. Es gibt viele Möglichkeiten, bei denen ich mir einfach einmal eine halbe Stunde dafür Zeit nehmen kann.

Es gibt drei wesentliche Faktoren, die es uns leichter machen, uns Zeit für Bewegung und Entspannung zu nehmen: Die Sportart und Entspannungsmethode muss zu uns persönlich passen und uns Spaß machen. Sie muss sich gut in den Alltag integrieren lassen. Und wir müssen diesen beiden Dingen eine Wichtigkeit zuschreiben.