Corona – wie erlebe ich den shutdown?

Vor kurzem habe ich mit zwei Freundinnen geskyped – spannend war, wie unterschiedlich sich das Kontaktverbot im Zuge von Corona auf unser Leben auswirkt, alle drei leben wir in vollkommen unterschiedlichen Lebenszusammenhängen. Für manche bedeuten diese Lebensumstände Gefühle der Einsamkeit und Angst, für manche großen beruflichen Stress oder Stress durch die Kombination von home-office und home-schooling. Manche genießen die Zeit, die ihnen als Familie gemeinsam geschenkt wird, manche nutzen die Zeit zur Innenschau.

Meine erste Reaktion vor nunmehr fast vier Wochen, als ich von der Schließung von Kindergarten und Schule hörte, war Leugnung und Panik. Das kann nicht sein. Wie werde ich nun genügend Zeit haben für meine Therapien, meine Bewegung und die Ruhe, die ich dringend brauche? Was ist mit meinen beruflichen Plänen – wie soll ich diese weiterverfolgen?

Inzwischen hat sich so gut wie alles in meinem Leben geändert. Ich habe keine Physio- und Ergotherapie mehr, keinen Kletterkurs und keinen Qi Gong-Kurs. Bewegung und Training für die Feinmotorik habe ich dennoch genug. Ich gehe sehr viel laufen und mit den Smovey-Ringen spazieren, mache dank der vom Qi Gong Lehrer erstellten Videos täglich Qi Gong, spiele viel Klavier und habe angefangen, gemeinsam mit den Kindern solche Suchbilder wie oben zu erstellen – etwas, was ich schon seit langem machen wollte. Gut für die Feinmotorik und auch für die Seele. Ich arbeite viel im Garten und koche und backe viel – seit Wochen essen wir als Familie täglich drei Mahlzeiten zusammen, was wir sonst nur am Wochenende und im Urlaub machen. Ich genieße es, frei von Terminen einfach jeden Tag in den Tag hineinzuleben. Mein Verlangen nach Außenkontakt hält sich in Grenzen. Ja, home-schooling ist sehr anstrengend. Gleichzeitig auch ein Geschenk, meinen achtjährigen Sohn einige Wochen intensiv beim Lernen begleiten zu dürfen. Die Kinder spielen so viel zusammen wie noch nie, wachsen zusammen.

Wissend, dass dies alles eine zeitliche Begrenzung hat, genieße ich diese Zeit, versuche auf das zu schauen, was uns als Familie und mir als Person durch diese außerordentlichen Umstände geschenkt wird. Und all das in dem Bewusstsein, dass wir in dieser Zeit in einer privilegierten Situation sind – in Mitteleuropa, am Land in einem Haus mit großem Garten lebend.

Wenn ich aber den Blick vom Privaten nach außen richte, sehe ich: die gesamtgesellschaftlichen Umwälzungen sind enorm.

Die Beschäftigung mit den gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen des „shutdown“ kann Angst machen. Kann aber auch Kraft geben. Kann den Blick wieder schärfen. Ist eigentlich unerlässlich. Aus diesem Grund sind Außenkontakte mit Menschen, die weit und quer denken, extrem wichtig – auch wenn sich, wie oben beschrieben, mein Verlangen nach Außenkontakt größtenteils in Grenzen hält.

In jedem Fall ist dieser „shutdown“ eine Zäsur – für mich individuell und für die gesamte Gesellschaft. Was wir, innen und außen, daraus machen, hängt (nicht nur, aber zu einem großen Teil) von uns ab!

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